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Nach Angaben des Umweltbundesamtes wird die Klimabilanz der Ernährung in Deutschland derzeit im Durchschnitt auf ca. 1,7 Tonnen CO₂ pro Person und Jahr geschätzt. Gesenkt werden kann dieser Wert vor allem durch eine Reduktion tierischer Nahrungsmittel, die Vermeidung von Verschwendung, den Umstieg auf eine ökologische Wirtschaftsweise und eine Reduktion von Transport und Lagerung durch eine Bevorzugung regionaler und saisonaler Produkte.

Weniger Fleisch

Kurz gesagt:
Der größte Klimashebel in der Ernährung ist die Reduktion von Fleisch, insbesondere Rindfleisch. Die Wirkung ist messbar, erheblich und sofort umsetzbar.

Warum das so ist 

  • Tierhaltung verursacht rund 20 % der globalen Treibhausgase – vor allem durch Methan und Lachgas aus der Rinderhaltung
  • 70 % der Emissionen in der Lebensmittelproduktion stammen von tierischen Produkten, davon der größte Anteil aus Fleisch.
  • Rindfleisch ist extrem emissionsintensiv:
    ca. 13,6 kg CO₂ pro kg – im Vergleich zu Tofu (1 kg) oder Äpfeln (0,2 kg).

Der eigentliche Hebel

  • Eine flexitarische Ernährung (deutlich weniger Fleisch) könnte die Emissionen um ca. 27 % senken.
  • ​​​​​​​Eine vegetarische Ernährung ermöglicht Einsparungen von bis zu 47 %.
  • ​​​​​​​Der praktische Zielwert:
    Fleischkonsum in Deutschland auf ~470 g pro Woche halbieren.

Warum Fleisch mehr schadet als nur CO₂

  • 75 % der landwirtschaftlichen Fläche werden für Fleisch und andere tierische Produkte genutzt.
  • Futtermittel wie Soja treiben Abholzung und Ökosystemverlust voran.
  • ​​​​​​​Der Ressourcenverbrauch ist massiv (z. B. 2.400 L Wasser pro Burger).

Was wirklich zählt (Essenz für die Praxis)

Die wirkungsvollste Maßnahme für klimafreundliche Ernährung ist:
weniger Fleisch – vor allem weniger Rind.

Schon 2 vegetarische Tage pro Woche sparen ~99 kg CO₂ pro Jahr, eine dauerhaft vegetarische Ernährung bis zu 900 kg CO₂ jährlich.

Die WWF-Studie: Klimaschutz auf dem Teller informiert umfassend über den Zusammenhang zwischen Fleischproduktion, CO₂ und Klimaschutz.


Quellen: Pendos CO2-Zähler, Öko-Institut, Umweltbundesamt

Pflanzendrinks vs. Kuhmilch

Ernährungsbezogener Klimaschutz beginnt nicht beim völligen Verzicht – sondern beim intelligenten Ersetzen tierischer Produkte durch pflanzliche Alternativen.
Milchprodukte sind nach Fleisch die zweitgrößte Emissionsquelle in der Ernährung.

Pflanzliche Alternativen sind deutlich besser für das Klima

  • Kuhmilch: ca. 1,4 kg CO₂e/kg
  • Hafer-/Sojadrinks: ca. 0,3–0,4 kg CO₂e/kg
  • Fläche: Pflanzendrinks brauchen etwa halb so viel Land
  • Besonders nachhaltig: Hafer (regional, wasserarm) und Soja

Käse ist der eigentliche Klimatreiber unter den Milchprodukten

  • Käse: ca. 5,7 kg CO₂e/kg
  • Pflanzliche Käsealternativen: ca. 2,0 kg CO₂e/kg
    → Größter Hebel: weniger Käse, mehr pflanzliche Alternativen

Was sinnvoll ist

  • Kuhmilch → Haferdrink tauschen
  • 1–2 Tage pro Woche ohne Käse oder Sahne
  • Pflanzliche Alternativen ausprobieren
  • Fokus auf extensive Weidehaltung statt Intensivtierhaltung
  • Bio-Produkte bevorzugen (Boden- & Gewässerschutz)
  • Nährstoffe bewusst absichern (Calcium, Jod, B12)
    – v. a. bei reiner Pflanzenkost

Quelle: Umweltbundesamt

Planetary Health Diet

Die Planetary Health Diet ist ein wissenschaftlich fundierter Speiseplan, der gleichermaßen die Gesundheit des Menschen wie die des Planeten schützt. Entwickelt wurde er von einem internationalen Team von Wissenschaftlern, der EAT-Lancet Commission. Sie suchten eine Antwort auf die Frage, wie sich im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten gesund und nachhaltig ernähren können.

Damit die Grenzen des Planeten eingehalten werden, müsste der Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen erhöht und der Verzehr von Fleisch und Zucker etwa halbiert werden.

Weiterführende Informationen sind z. B. beim Bundeszentrum für Ernährung zu finden: Planetary Health Diet beim BZfE

Die Vermeidung von Verschwendung und die Umstellung auf eine an gesundheitlichen Kriterien orientierte Ernährungsweise sind besonders wichtige Voraussetzungen für eine klimafreundliche Ernährung.

Bei unveränderten Ernährungsgewohnheiten würde der alleinige Umstieg auf Bio-Lebensmittel dazu führen, dass sich der Flächenbedarf der Ernährung erhöht, was vermehrte Importe und damit einen erhöhten Transportaufwand erforderlich machen würde. Zudem kann ein erhöhter Flächenbedarf im Ausland zu Landnutzungsänderungen führen, wie zum Beispiel zur Rodung von Regenwäldern für die Gewinnung von Acker- oder Weideland. Dies hätte erhebliche CO₂-Emissionen zur Folge, welche die positiven Effekte der ökologischen Wirtschaftsweise wieder zunichtemachen würden. Sinnvoll wäre zum Beispiel eine gesunde Mischkosternährung, wie die Planetary Health Diet.

Saisonal einkaufen

Heute sind nahezu alle Lebensmittel ganzjährig im Handel verfügbar. Wenn wir den Klimawandel auf ein verträgliches Maß begrenzen wollen, lohnt es sich jedoch grundsätzlich darauf zu achten, wann welches Obst und Gemüse Saison hat: Saisonale Produkte schmecken meist besser, sind günstiger und schonen das Klima.

Der BZfE-Saisonkalender gibt Orientierung, wann welche Obst- und Gemüsearten klassischerweise geerntet werden, also "Saison haben".

Biolebensmittel

In der ökologischen Landwirtschaft werden im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase freigesetzt. Bei der konventionellen Landwirtschaft schlagen besonders der Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger und der geringere Humusgehalt der Böden negativ zu Buche.

Gesunder Agrarboden schützt das Klima, denn gesunde, humusreiche Böden sind große Kohlenstoff-Speicher. Je humusreicher ein Boden ist, desto mehr Kohlenstoff bindet er und desto mehr CO₂ entzieht er damit der Atmosphäre. Studien des Thünen Instituts belegten, dass ökologisch bewirtschaftete Böden mehr Kohlenstoff binden als Böden in der konventionellen Landwirtschaft.

Bio-Produkte schonen damit nicht nur das Klima, sondern sie enthalten auch gegenüber konventionellen Lebensmitteln deutlich weniger unerwünschte Stoffe, wie Nitrat und Pestizidrückstände. Zudem leistet sie wichtige Beiträge zum Schutz von Böden, Gewässern und Artenvielfalt.

Verschwendung vermeiden

Etwa ein Drittel der erzeugten Nahrungsmittel wird nicht verzehrt. Die meisten dieser Verluste sind vermeidbar. Beispielsweise wird im Handel viel Obst und Gemüse liegen gelassen, weil sie kleine Schönheitsfehler haben, obwohl diese sich nicht auf die Qualität auswirken. Kleine Dellen, Kratzer und Verfärbungen sehen zwar nicht schön aus, beeinträchtigen aber nicht den Geschmack. Wenn Sie solche Produkte bewusst kaufen, können Sie die Verluste reduzieren. Ähnliches gilt für Produkte, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt nur an, bis wann ein Produkt mindestens haltbar ist. Die meisten Produkte sind aber deutlich länger haltbar. Dies gilt besonders für trockene Lebensmittel, wie Reis, Nudeln und Zucker. Probieren Sie immer, ob die Lebensmittel noch gut sind. Verlassen Sie sich dabei auf Ihre Sinne.

Auch die richtige Lagerung der Lebensmittel kann der Verschwendung entgegenwirken:
Licht, Temperatur, Feuchtigkeit – Wie Lebensmittel aufbewahrt werden, hat einen großen Einfluss auf ihre Haltbarkeit. Unterschiedliche Lebensmittel haben dabei auch unterschiedliche Anforderungen. Gute Tipps für die richtige Lagerung von Lebensmitteln gibt das BMEL.

Am besten ist es, wenn Sie von vornherein nur so viel einkaufen, wie Sie tatsächlich verbrauchen können. Einkaufslisten sind dabei hilfreich. Umso frischer sind ihre Lebensmittel und desto geringer ist das Risiko, Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Bleibt beim Kochen etwas übrig, nutzen Sie die Reste am nächsten Tag. Wenn Sie z. B. kurzfristig auf Reisen müssen und noch frische Lebensmittel übrighaben, geben Sie diese ihren Nachbarn oder teilen Sie sie beim Foodsharing.

Viele Informationen und Tipps zum Thema finden Sie z. B. beim Umweltbundesamt oder beim Informationsportal Zu gut für die Tonne.

Jährlich findet außerdem die "Aktionswoche Deutschland rettet Lebensmittel" statt, an der Sie sich beteiligen können.

Mehrweg statt Einweg

Einwegplastik hat zurecht einen schlechten Ruf – es kann schwer recycelt werden und landet nach einer einzigen Benutzung meistens direkt auf der Müllkippe. Ein Beispiel: 2,8 Milliarden Einwegbecher werden pro Jahr in Deutschland weggeworfen. Das sind rund 320.000 pro Stunde. Daher solltest du dich immer für die Mehrwegalternative entscheiden. 

In vielen Restaurants wird Essen in Mehrwegbehältern angeboten oder die Restaurants füllen dir das Essen auch in deine eigene Dose – fragen lohnt sich. Joghurt und Co. gibt es auch in Mehrweg-Gläsern und Getränke häufig auch in Glasflaschen.

Quelle: moinzukunft

Regional einkaufen

Lebensmittel aus der Region haben kurze Transportwege und verringern so schädliche Treibhausgase, die durch den Transport entstehen. Bei längeren Transportwegen wird nicht nur Energie für den Transport verbraucht, sondern auch für die in vielen Fällen notwendige Kühlung. Die daraus folgenden Treibhausgasemissionen können Sie vermeiden, wenn Sie regional und saisonal einkaufen.

Wenn Sie regionale Produkte bevorzugen, stärken Sie zudem die regionale Landwirtschaft, Verarbeitungsbetriebe und Vermarkter in ihrer Stadt und der Umgebung. So bleibt die Wertschöpfung in der Region und Arbeitsplätze in der lokalen Wirtschaft werden gesichert oder sogar neu geschaffen. Wenn Sie z. B. in einer handwerklich arbeitenden Bäckerei kaufen, verhindern Sie auch, dass wertvolles Wissen für die Lebensmittelproduktion verloren geht. Wenn Sie bewusst bei lokalen Produktionsbetrieben einkaufen, können Sie auch einen Teil dazu beitragen, dass die Herstellerinnen und Hersteller ihrer Lebensmittel einen fairen Lohn erhalten. Die Landwirtschaft vor Ort ist außerdem eine unverzichtbare Landschaftspflegerin.

Wenn Sie Produkte kaufen, die nicht regional erzeugt wurden, achten Sie auf Herkunft und Transportweg. Der Transport durch die Luft ist besonders klimaschädlich: Er verursacht je Tonne Lebensmittel und Kilometer bis zu 90-mal mehr Treibhausgase als der Hochseeschiff-Transport und rund 15-mal mehr als Transporte per Lkw.

Labels & Siegel beachten

Bio, vegan, ohne Gentechnik: Die Labels auf Lebensmitteln geben Auskunft darüber, wie diese produziert wurden. Bei der Vielzahl an Beschriftungen kann man schon mal schnell den Überblick verlieren, vor allem, weil nicht alle Siegel gesetzlichen Verordnungen entsprechen. Oftmals vergeben auch die Erzeuger selbst Labels, die teilweise keiner unabhängigen Kontrolle unterliegen. Die Verbraucherzentrale hat eine praktische Übersicht geschaffen, was welche Labels bedeuten und wer sie kontrolliert. Auch das Projekt Siegelklarheit bietet einen guten Überblick für Lebensmittel-Siegel. Am bekanntesten sind das deutsche Bio-Siegel und europäische Bio-Siegel.

Quelle: Umweltbundesamt

Klimafreundlich Kochen

Anregungen und Rezepte für klimafreundliches Einkaufen und Kochen gibt es unter anderem im Genuss N!-Kochbüchle (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, 2015) oder im vom Bundesumweltministerium empfohlenen Klimakochbuch.

Das GenussN!-Kochbüchle der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg verbindet Tipps und Informationen zur Ernährung und zu nachhaltigem Handeln in der eigenen Küche mit 68 leckeren Rezepten, die schnell und einfach nachzukochen sind – vorzugsweise mit saisonalen Produkten aus der Region. Zudem wurde für jedes Hauptgericht die Klimabilanz errechnet, sodass Sie direkt sehen können, wie sich Ihr persönliches Essverhalten auf die Umwelt auswirkt.

Es ist als kostenloser pdf-Download auf der Seite der Nachhaltigkeitsstrategie verfügbar: GenussN!-Kochbüchle

Das Klimakochbuch verbindet Hintergrundinformationen zur klimabewussten Ernährung mit vielen Rezepten und praktischen Einkaufstipps. Es macht Lust auf bewusstes und klimafreundliches Kochen. Im Jahr 2021 erschien eine Neuauflage des Buches.

Das Klima Kochbuch. Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen. Boris Demrovski. Franck-Kosmos-Verlag, Stuttgart, 2021. 128 Seiten. ISBN: 978-3-440-17135-6

Initiativen in Nürtingen

In Nürtingen engagieren sich unter anderem die Initiative Bunte Beete und die solidarische Landwirtschaft SoLaWi auf dem ökologisch wirtschaftenden Hopfenhof für eine nachhaltige lokale Nahrungsmittelproduktion. Beide Initiativen sind aus dem Forum Zukunftsfähiges Nürtingen hervorgegangen.

Die Initiative Bunte Beete arbeitet daran, Nürtingen zu einer essbaren Stadt zu machen. Bisher sind auf öffentlichen Grünflächen Zierpflanzen die Regel. Nach der Idee werden in einer essbaren Stadt auf öffentlichen, gut zugänglichen Flächen auch Obst, Gemüse und andere Nutzpflanzen angebaut, die dann für alle Menschen frei zur Verfügung stehen.

Grundidee einer solidarischen Landwirtschaft ist, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung und die Ernte. In einer Solidarischen Landwirtschaft gewinnen alle Beteiligten von dieser Beziehung: die Mitgliederinnen und Mitglieder, die Bäuerin, der Bauer, der Hof (die Erde), und die umge­bende Region.

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln engagiert sich die Food Sharing Gruppe, die über die Homepage der Initiative Food Sharing kontaktiert werden kann. Ein Fairteiler steht auf dem Gelände der alten Seegrasspinnerei in 72622 Nürtingen, Plochinger Straße 14.

Weiterführende Informationen

  • Weiterführende Informationen zu klimafreundlicher Ernährung erhalten Sie unter anderem bei der Verbraucherzentrale oder beim Bundeszentrum für Ernährung
     
  • Außerdem hat das IFEU-Institut für Verbraucher 11 Leitlinien für eine nachhaltige Ernährung zusammengestellt, welche einen Beitrag zu einer Ernährungswende liefern können. Dort finden Sie auch interessante Informationen zu den Klimabilanzen verschiedener Lebensmittel nach Produktionsweise, Verarbeitung und Herkunft: Information Ernährungswende beim IFEU-Institut.
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